Die geometrische ReiheEine geometrische Folge ist eine regelmäßige mathematische Zahlenfolge mit der Eigenschaft, dass das Verhältnis zweier benachbarter Folgenglieder konstant ist. Das n-te Glied an einer geometrischen Folge mit dem Anfangsglied a und dem Quotienten q berechnet sich aus a1 = a· q n-1
a1
= a,
a2 =
aq,
a3 =
aq2,
a4 =
aq3, …
Eine geometrische Reihe ist die Folge, deren n-tes Glied die Summe der ersten n Glieder der zugehörigen geometrischen Folge ist:
sn
=
a +
aq +
aq2
+ aq3 + …+
aqn-1 .
Formel
zur Berechnung der geometrischen Reihe Herleitung:
I
sn =
a +
aq
+ aq2 +
aq3 + …+
aqn-1
II
sn
q =
aq
+ aq2 +
aq3 +
aq4 + …+
aqn
I-II
sn
-
sn
q =
a
-
aqn sn (1- q) = a (1- qn)
Formel:
Eine unendliche geometrische Reihe entsteht, wenn bei der geometrischen Reihe n gegen Unendlich geht:
Für
|q| < 1 gilt:
Dann ergibt sich als Grenzwert für die unendliche geometrische Reihe:
Für q>1
steigen die Werte von sn exponentiell an.
Beispiel: Für a = 2 und q = 0,75 ergibt sich als Grenzwert 8.
Dies
lässt sich an Hand folgender graphischen Darstellung veranschaulichen:
Die Treppenlinie zwischen den Graphen der Funktionen mit den Gleichungen f(x) = 0,75 x und g(x) = x -2 besitzt folgende Eigenschaften:
Graphische Veranschaulichung dynamisch
Geometrische Reihen von
ineinander geschachtelten regulären Vielecken
Dreieckreihe
Der
Flächeninhalt des großen
gleichseitigen Dreiecks sei 1.
Das jeweils
nachfolgende Dreieck hat nur 1/4 des Flächeninhalts des vorhergehenden
Dreiecks.
Summe A(n) der n
Dreiecksflächen:
Dies ist eine
geometrische Reihe mit a = 1 und q = 1/4 und dem Grenzwert
Die Summe der Flächeninhalte des Dreiecks und der nachfolgenden Dreiecke
beträgt 4/3.
Quadratreihe
Der Flächeninhalt des großen Quadrats sei 1.
Das jeweils
nachfolgende Quadrat hat nur den halben Flächeninhalt des vorhergehenden
Quadrats.
Summe A(n) von n Quadratflächen:
Dies ist eine
geometrische Reihe mit a = 1 und q = 1/2 und dem Grenzwert
Die Summe der Flächeninhalte des Quadrats und der nachfolgenden Quadrate
beträgt 2.
Fünfeckreihe
Flächeninhalt des regulären Fünfecks mit der Seitenlänge a:
A1 = 1/4√(24+10√5) a²
Berechnung von b:
b² = a²/2 (1 – (1 –
√5)/4 ) = (3 +
√5)/8 a²
b = (1 +
√5)/4 a
A2
= 1/4√(24+10√5) (3+√5)/8 a²
A2
/ A1 =
(3+√5)/8
≈ 0,655
Der Flächeninhalt des großen Fünfecks sei 1.
Bei der Addition
der Flächeninhalte der ineinander geschachtelten Fünfecke mit der Summe A(n)
entsteht eine geometrische Reihe
Die Summe der Flächeninhalte des Fünfecks und der nachfolgenden Fünfecke
beträgt ungefähr 2,894.
Sechseckreihe
Flächeninhalt des regulären Sechsecks mit der Seitenlänge a: A1 = 3√3/2
a²
Berechnung von b:
b² = a²/2 (1 + 0,5) = 3/4 a²
Flächeninhalt A2 des Sechsecks mit der Seitenlänge b:
A2
= 3√3 /2 (√3/2)²
a² = 9
√3/8 a²
Daraus folgt:
A2
/ A1 = 3/4
Der
Flächeninhalt des großen Sechsecks sei 1.
Dann ist der
Flächeninhalt des nachfolgenden Sechsecks 3/4 des vorhergehenden Sechsecks.
Summe A(n) der n
Sechseckflächen:
Dies ist eine geometrische Reihe mit a = 1
und q = 3/4 und dem Grenzwert
Die Summe der Flächeninhalte des Sechsecks und der nachfolgenden
Sechsecke beträgt 4.
Dreieckreihe im Achteck
Flächeninhalt einer Dreieckreihe im
regulären Achteck:
A△
= 1/2 a² (1 + (√2
– 1)2
+ (√2 – 1)4 + . . . + (√2 – 1)2n
+ . . .)
In der Klammer steht eine unendliche
geometrische Reihe mit dem ersten Glied 1 und dem konstanten
Quotienten q2 =
(√2
– 1)2.
Als Grenzwert für die unendliche
geometrische Reihe ergibt sich:
Der Flächeninhalt von 8 Dreieckreihen
ergibt den Flächeninhalt eines regulären Achtecks:
A8
=
8·1/4 (1 +
√2) a² = 2 (1
+
√2) a²
Achilles und die Schildkröte - Zenons Paradoxon
Achilles und die Schildkröte machen einen Wettlauf. Die superschnelle
Schildkröte sei zehnmal langsamer als Achill. Beim Start habe
die Schildkröte einen Vorsprung von 10 m.
Dann hat die Schildkröte 1 m zurückgelegt, wenn Achilles gerade 10 m
gelaufen ist. Wenn Achilles weiter 1 m zurückgelegt hat, dann ist ihm die
Schildkröte 1/10 mal 1 m = 10 cm voraus usw.
Zenon von Elea (5. Jhd. v. Chr.) behauptet nun, dass streng
logisch gesehen die Schildkröte dem Achilles immer ein kleines Stück Weges
voraus ist und damit die Schildkröte nie einholen kann.
Mathematisch
gesehen handelt es sich um eine geometrische Reihe, in Meter:
sn = 10 + 1 + 0,1 + 0,001 + … + 0,1n-2
Mit a = 10,
q = 0,1 ergibt sich der Grenzwert
sn = 10 ∙ 1 / (1 – 0,1) = 100 / 9 = 11,11111…
Nach 11 1/9
m holt Achill die Schildkröte ein.
Quadratreihe
Zwischen der
positiven x-Achse und der Geraden y = m∙x werden, wie abgebildet, Quadrate
aneinandergereiht.
Als Summe der Quadratflächeninhalte ergibt sich die geometrische
Reihe
(a∙m)2 (1 + (1+m)2 + (1+m)4 + … + (1+m)2n-2) = (a∙m)2 (1– (1+m) 2n)/(1– (1+m)2),
wobei der Flächeninhalt des nachfolgenden Quadrats um den Faktor (1+m)²
größer als der Flächeninhalt des vorhergehenden Quadrats ist und q = 1+m.
Mit a=1 und q = 1+m ergibt sich die geometrische Reihe
(q–1)2
(1– q2n) / (1– q2)
= (q–1)(q2n –1) / (q + 1)
Als Funktion f(x) = (q – 1)/(q + 1)∙(q2x – 1) stellt sie eine Exponentialfunktion dar.
Mit m = 0,4 und q = 1,4 ergibt sich f(x) = 1/6 ∙ (1,42x – 1), x ≥ 0.
Tabelle der Quadratreihe
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